Internationale Lieferbedingungen

Bereits 1936 wurde die erste Ausgabe der International Commercial Terms, kurz INCOTERMS®, verabschiedet. Das Ziel bestand darin, den Risikoübergang beim Transport von Gütern zwischen Lieferant und Abnehmer in fest fixierten Klauseln zu standardisieren. In unregelmäßigen Abständen wurden seither diese Klauseln überarbeitet, alte gestrichen, und neue ergänzt. Seit Ende September 2010 ist nun die siebte Version der INCOTERMS® veröffentlicht, die eine unmissverständliche, international gültige Beschreibung der Kostenverantwortung, des Risikoübergangs sowie der Sorgfaltspflichten zwischen den Lieferparteien festschreiben. Die INCOTERMS® sind aber kein Gesetzeswerk, sondern international einheitliche und gültige Vereinbarungen, die von der Internationalen Handelskammer ICC herausgegeben werden und die die Vertragsgestaltung deutlich vereinfachen. Wichtig ist dabei die richtige Anwendung, wobei das Schema stets gleich ist:
Incotermkürzel (3 Buchstaben) - Ortangabe - Stand der INCOTERMS®
Beispiel: EXW Mustermann GmbH Werk 2, Versandabteilung, INCOTERMS® 2010
 
Wichtig: Wenn Sie dieses Schema verlassen, z.B. den Ort „vergessen“ oder den Begriff INCOTERMS® mit der richtigen Fassung, oder noch schlimmer die falsche Klausel anwenden, ist Ihre Liefervereinbarung ungültig. Das kann im Havariefall ausgesprochen weitreichende Folgen haben, deshalb sollten Sie dieses Thema so sorgfältig wie eine Zahlungsvereinbarung behandeln, denn letztlich kann es genau darauf hinauslaufen.
In der neuen Fassung wurden die Klauseln von ehemals 13 auf 11 reduziert. Die alten Klauseln DAF, DES, DEQ und DDU sind weggefallen, dafür wurden zwei neue, DAP (Delivered at Place) und DAT (Delivered at Terminal) eingeführt. Nicht alle Klauseln sind für alle Transportarten geeignet, die Klauseln FAS (Free Alongside Ship), FOB (Free On Board), CFR (Cost and Freight) und CIF (Cost, Insurance, Freight) sind reine Schifffahrtsklauseln und somit unimodal.
Multimodal, also auf alle Transportarten anwendbar sind EXW (Ex Works), FCA (Free Carrier), CPT (Carriage Paid To), CIP (Carriage Insurance Paid), DAT (Delivered At Terminal), DAP (Delivered At Place) and DDP (Delivered Duty Paid). Lediglich die Klauseln CIF und CIP sehen die Verpflichtung des Verkäufers vor, die Ware zu versichern, wobei auch hier nur die Mindestdeckung (Exportrechnungsbetrag plus 10%) abgeschlossen werden muss. Soll höher versichert werden, muss dies im Vertrag gesondert und ausdrücklich vereinbart werden.
Hier eine kurze Übersicht:
Multimodale Klauseln


KlauselBedeutungGefahrenübergangKostenübergang

EXW

Ab Werk
(Lieferort)

Lieferort

Lieferort

FCA

Frei Frachführer
(Lieferort)

Lieferort

Lieferort

CPT

Frachfrei
(Lieferort)

Lieferort
1. Frachführer

Bestimmungsort

CIP

Frachfrei versichert
(Lieferort)

Lieferort
1. Frachführer

Bestimmungsort

DAT

Geliefert Terminal
(Lieferort)

Bestimmungsort
(Ware ist entladen)

Bestimmungsort
(Ware ist entladen)

DAP

Geliefert benannter
Bestimmungsort

Bestimmungsort
(Ware ist entladebereit)

Bestimmungsort
(Ware ist entladebereit)

DDP

Geliefert, verzollt
(Bestimmungsort)

Bestimmungsort
(Ware ist entladebereit)

Bestimmungsort
(Ware ist entladebereit)

 

Schifffahrts-Klauseln
KlauselBedeutungGefahrenübergangKostenübergang

FAS

Frei Längsseite Schiff
(Verschiffungshafen)

Verschiffungshafen

Verschiffungshafen

FOB

Frei an Bord
(Verschiffungshafen)

An-Bord-Lieferung

An-Bord-Lieferung

CFR

Kosten und Fracht
(Bestimmungshafen)

An-Bord-Lieferung

Bestimmungshafen

CIF

Kosten,
Versicherung und Fracht
(Bestimmungshafen)

An-Bord-Lieferung

Bestimmungshafen

Ein beliebter Fehler ist es, im eiligen Teileversand irgendetwas per Luftfracht, aber dann mittels FOB zu verschicken. Man liest dann so etwas wie
 
FOB Frankfurt Airport, INCOTERMS 2000
 
Das geht auf keinen Fall, schließlich werden am Flughafen keine Schiffe beladen. Sollte das Flugzeug mit der Ware abstürzen, hätten Sie in diesem Fall den Vertrag nicht erfüllt – und keinen Anspruch auf Bezahlung. Das in diesem Beispiel auf die älteren INCOTERMS® verwiesen wurde, ist hingegen nicht von großer Bedeutung, weil sich die Klausel nicht geändert hat. Schlecht wäre es aber, wenn Sie eine der in 2010 neu hinzugefügten Klauseln mit der älteren INCOTERMS®-Version kombinieren würden, denn auch dann befänden Sie sich im rechtsfreien Raum.
Die INCOTERMS® regeln auch die Sorgfaltspflichten, also wer ist verantwortlich für die Verpackung, für die Beschaffung bestimmter Papiere etc., deshalb sollten Sie sich mit diesem Thema intensiv auseinandersetzen. Es ist auch möglich, eine INCOTERMS®-Klausel als Grundlage zu nehmen, aber im Detail bestimmte Abweichungen festzulegen. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Webseite der Internationalen Handelskammer sowie bei Ihrer zuständigen IHK.