Grafik mit dem Johari-Fenster nach Joseph Luft und Harry InghamOft scheitert die zwischenmenschliche Kommunikation daran, dass Menschen ihr eigenes Verhalten nicht reflektieren und auch von anderen kein konstruktives Feedback erhalten. Es ist eine typisch menschliche Eigenart, von sich selber ein Bild zu zeichnen, das sich mitunter sehr grundlegend von der Wahrnehmung durch andere unterscheidet. Um diesen Unterschied zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmungh zu verdeutlichen und damit auch zu verstehen, hilft ein Model, das sogenannte Johari-Fenster der amerikanischen Sozialpsychologen Joseph (Jo) Luft und Harry (har) Ingham (i).
Danach wird das menschliche Sozialverhalten in vier verschiedene Quadranten unterteilt, die sich gegenseitig bedingen. Da ist einmal der öffentliche Bereich unseres Handelns, der für uns und für unsere Mitmenschen transparent ist. Dann definiert jeder für sich einen privaten Bereich des Handelns, wo wir Dinge tun, die wir bewußt nicht mit anderen teilen wollen.
Es gibt den sogenannten verborgenen Bereich in uns, den wir selber, aber auch die anderen nicht kennen. Auch dieses sogenannte Unterbewußte bestimmt unser Handeln, obwohl wir dazu ohne tiefenpsychologische Therapie kaum einen Zugang haben. Last but not least gibt es den sogenannten „blinden Fleck“, jener Anteil unseres Verhaltens, den wir selber gar nicht wahrnehmen, der jedoch für andere ganz offensichtlich ist.
 
Grafik mit dem veränderten Johari-Fenster nach Joseph Luft und Harry InghamDie Diskrepanz von Selbst- und Fremdwahrnehmung ist sehr häufig Auslöser und Treiber von Konflikten. Wir sehen uns z.B. als selbstbewusst und gradlinig (Erster Quadrant), aber überziehen unser Verhalten unbewußt (Dritter Quadrant = blinder Fleck) und kommen als großmäuliger Aufschneider bei unseren Mitmenschen an. Das Problem besteht darin, dass wir genau das gar nicht bemerken, solange wir nicht von anderen darauf hingewiesen werden. Genau diese Chance ergibt sich aber z.B. in einem Mediations- und auch in einem Coachingprozess, wo in einem geschützen, vertraulichen Bereich auch mal gesagt werden kann: “Mensch Peter, wenn Du mit solchen Sprüchen kommst, bin ich schon auf hundertachtzig, egal wie recht Du sonst haben magst.“ Das kann nicht nur zur Lösung des Konfliktes beitragen, sondern gibt auch dem Konfliktbeteiligten ein Feedback, das für seine Persönlichkeitsentwicklung hilfreich ist.
Das Ziel besteht also darin, den sogenannten öffentlichen Bereich zu vergrößern und so Eigen- und Fremdwahrnehmung mehr in Einklang zu bringen. Natürlich geht es nicht um eine 100%-Lösung, denn der private Bereich, den wir nicht mit anderen teilen wollen, ist für jeden Menschen als Privatsphäre unverzichtbar. Es geht vielmehr darum, den Bereich des blinden Flecks zu verkleinern. Dabei können sich durch den Klärungsprozess auch kleine Bereiche des Unterbewusstseins erschliessen, dies ist aber nicht das Ziel, da hierfür erhebliche therapeutische Kenntnisse unabdingbar sind.

Typ

Modell zur Visualisierung

Einsatzgebiete

Führungskräfteschulung, Coaching, Konfliktklärung

Beispiel