Bild mit EisbergWir Menschen glauben, rational denkende und handelnde Lebewesen zu sein, die in der Lage sind, sich rein sachlich mit Themen auseinanderzusetzen und in konsequenter Anwendung zielführender Logik eine Entscheidung zu treffen. Tatsächlich machen wir uns aber etwas vor. Schon Sigmund Freud hat festgestellt, dass die menschliche Psyche aus einem relativ kleinen Anteil an sachlicher und einem deutlich größeren Anteil an emotionaler bzw. sozialer Intelligenz besteht. Zur bildlichen Darstellung führte er das sogenannte Eisbergmodell ein, dh. der sachliche getriebene, mithin „sichtbare“ Anteil der Psyche wird durch den oberhalb der Wasseroberfläche liegenden Teil des Eisbergs abgebildet. Wie wir alle wissen, liegt aber der aufgrund der unterschiedlichen Dichte weitaus größere Teil des Eisbergs unter der Wasseroberfläche, mithin im Verborgenen. Übertragen auf die Psyche besteht dieser Teil aus Emotionen, Ängsten, Gefühlen, Sehnsüchten, Wünschen etc. und hat für unser Verhalten und unsere Kommunikation ein deutlich größeres Gewicht.

Eisberg-Grafik bezogen auf Konfliktsituationen Überträgt man das Freudsche Modell auf Konfliktsituationen, so wird klar, dass der auf den ersten Blick erkennbar Teil eines Konflikts oft den emotionalen Anteil ausblendet und mithin nur einen Teil des Ganzen abbildet. Folgerichtig ist in vielen Konfliktsituation zwar ein von allen Beteiligten sichtbarer Sachkonflikt erkennbar, dieser wird jedoch maßgeblich „befeuert“ durch einen nicht oder kaum wahrgenommenen, aber weitaus ausgeprägteren Konfliktanteil auf der psychosozialen, emotionalen Ebene.

Eisberg-Grafik nach Christoph Besemer

Christoph Besemer hat nun diesen verborgenen Anteil mit typischen Inhaltsklassen gefüllt. Dieses Modell erleichtert bei vorhandenen Konflikten die Suche nach den verborgenen Ursachen, denn oft kommt man schon den eigentlichen Konfliktursachen sehr nahe, wenn man den Konflikt anhand der Besemerschen Struktur prüft. Sehr oft wird man in der einen oder anderen Klasse fündig. Dies kann die Klärung des Konfliktes beträchtlich erleichtern bzw. überhaupt erst - durch zielgerichteteres Fragen ermöglichen. Das Modell kann aber auch sehr gut zur Prävention eingesetzt werden, denn die Besemersche Struktur gibt einen guten Überblick, wo Fettnäpfchen lauern. Nicht zu unterschätzen ist das Thema "Werte", insbesondere wenn es um internationale Kooperation geht. Hierzu finden sich unter dem Begriff "Kultur" weiterführende Hinweise. Aus Erfahrung ist es aber so, dass das Thema Missverständnisse, und das bedeutet im Klartext fehlende oder fehlerhafte Kommunikation, mit großem Abstand der größte Konfliktauslöser im geschäftlichen Umfeld darstellt. Aus diesem Thema sollte eine Vorstellung des Eisbergmodells in jeder Führungskräfteschulung einen festen Platz haben.

Typ

Visualisierung, Modell

Einsatzgebiete

Coaching, Führungskräftecoaching, Konfliktmanagement, Mediation