Grundsätzlich startet ein Konflikt mit einer Meinungsverschiedenheit, und kann sich dann - aus den verschiedensten Gründen, immer weiter steigern. Der Schweizer Psychologe Christoph Thomann hat dies anschaulich verglichen mit einer Fieberkurve. Ab einem gewissen Eskalationsgrad ist soviel Porzellan zerschlagen, dass ohne Eingreifen von außen keine Befriedung mehr möglich ist. Der Konflikt bricht offen aus. Ab diesem Stadium kann die Entwicklung unterschiedliche Verläufe nehmen. Entweder der Konflikt wird chronisch und pendelt immer zwischen verschiedenen "Temperaturen" hin und her, oder es kommt zum Eklat. Nach diesem Ausbruch ist dann oft eine kooperative Koexistenz, etwa eine Zusammenarbeit im Team etc. nicht mehr möglich. Der Konflikt kann nach einer gewissen Eskalation auch erkalten, dh. er wird auf niedrigem emotionalem Level weitergeführt. Eine Kooperation ist aber dann den Kontrahenten in der Regel auch nicht möglich, sie meiden einander.

Grafik mit dem Konfliktfieberkurve nach Thomann

Die einschlägige Literatur bewertet die verschiedenen Eskalationsstufen nach dem Model von Friedrich Glasl. Glasl unterscheidet insgesamt neun Eskalationsstufen, die mit bestimmten Verhaltensmustern der Konfliktbeteiligten einhergehen. Je nach Eskalationsstufe gibt es auch Erfahrungswerte für Lösungsoptionen, wobei hier wichtig ist, diese Lösungs-Klassifizierung nur als Anhaltspunkt zu sehen. Jeder Konflikt, so typisch er auf den ersten Blick auch aussehen mag, hat aufgrund der Individualität der Beteiligten sowie mitunter wichtiger Details seine Besonderheit und verdient eine differenzierte und eigene Einschätzung.

Stufe 1: Verhärtung der Positionen, erhöhte Emotionalität, gelegentliche verbale Ausrutscher, gefolgt von Entschuldigungen.

Stufe 2: Dinge werden grob vereinfacht dargestellt, Schwarz-Weiß-Malerei, Polemik und Verallgemeinerungen kommen zunehmend ins Spiel.

Stufe 3: Kompletter Verlust des Einfühlungsvermögens für die jeweils andere Partei, rücksichtsloses Schaffen von Tatsachen, Konfrontation mit vollendeten Tatsachen.

Stufe 4: Vermehrtes Einbeziehen weiterer Personen in den Konflikt, Meinungsbildung und Imagekampagnen, jeweils gegen den "Gegner" gerichtet, aktives Schaffen von Feindbildern.

Stufe 5: Öffentliche Bloßstellung des Gegners, Verteufelung, Ausstossung

Stufe 6: Drohung und Erpressung, Setzung von Ultimaten

Stufe 7: Der Gegner wird zur "Sache" erklärt, jegliche menschliche Qualität wird ihm abgesprochen. Wo möglich wird ihm moderater Schaden zufügt, auch leichte eigene Beschädigung dabei in Kauf genommen.

Stufe 8: Der Gegner wird mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft mit dem Ziel, ihn nachhaltig zu schädigen und kampfunfähig zu machen.

Stufe 9: Komplette Vernichtung des Gegners, auch um des Preises des eigenen Untergangs - also der "totale Krieg", gemeinsamer Untergang.

Typischerweise kann Mediation bei Konflikten bis einschliesslich der Eskalationsstufe 5 - unter der Voraussetzung, die Beteiligten sind ernsthaft an einer einvernehmlichen Lösung interessiert - einen wichtigen Beitrag zur Konfliktlösung leisten. Aber das ist, wie oben angemerkt, nur ein Anhaltspunkt. Wichtig anzumerken ist ferner, dass die jeweiligen Konfliktparteien aus ihrer Sicht den gleichen Konflikt durchaus unterschiedlich einstufen können, was die Festschreibung von Lösungsoptionen weiter relativiert. Man kann aber sicherlich festhalten, dass ab der Eskalationsstufe 6, wenn Drohungen etc. ins Spiel kommen, eine einvernehmliche Konfliktlösung ohne machtvollen Eingriff einer überordneten, externen Autorität im Regelfall kaum denkbar ist.

Typ

Visualisierung, Modell

Einsatzgebiete

Coaching, Führungskräftecoaching, Konfliktmanagement, Mediation