Verfahren

Mitunter entwickeln sich Konflikte zwischen Parteien unter den Augen des Umfelds, oder sie werden sogar von anderen geschürt. „Die können nicht miteinander“, heißt es dann, und bestenfalls gehen sich dann die „Streithähne“ aus dem Weg. Es kann aber auch schlimmer kommen, Konflikte eskalieren und enden vor Gericht oder in Gewalt. Dabei wird dann der Konflikt vielleicht beendet, in dem ein „Gewinner“ festgestellt wird, gelöst im Sinne einer gegenseitigen Akzeptanz ist der Konflikt aber auch dann in der Regel nicht.
Mediation hat hier einen anderen Ansatz. Hier geht es darum, den Konflikt noch im Entwicklungsstadium aufzulösen, indem beide Parteien unter Leitung eines allparteilichen, soll heißen neutralen Moderators dabei unterstützt werden, ihren Streit selber zu lösen. Oft haben die streitenden Fraktionen schon selbst gemerkt, dass sie in ihrer Auseinandersetzung gefangen sind und alleine nicht herausfinden, weshalb sie dankbar sind für externe Hilfe.
Mediation ist ein erprobtes Verfahren zur Lösung von Konflikten, das bis weit in die Anfänge der Menschheit zurückreicht. Natürlich hat es sich gewandelt, und wurde nun - auf der Basis von neueren Erkenntnissen aus der Psychologie und Konfliktforschung - strukturiert und optimiert. Hier finden Sie einen kurzen Überblick:

Geschichtlicher Hintergrund

Schon sehr früh haben Menschen, und zwar in allen Kulturen, eigene Mechanismen entwickelt, um Konflikte in ihrer Gemeinschaft zu lösen. Oft waren es die Ältesten, die Auseinandersetzungen zwischen Eheleuten, Familien oder Geschäftspartnern befriedet haben. Auch damals schon folgte die Konfliktlösung sehr weitgehend dem heute angewandten Schema, dass jede Seite zunächst die Gelegenheit erhielt, ihre Sicht auf das Problem, auf den Streit darzustellen, und zwar mit den eigenen Worten und oft in Gegenwart der anderen Konfliktpartei. Und dann wurde gemeinsam an einer Lösung gearbeitet, die nach Möglichkeit eben nicht Gewinner und Verlierer definierte, sondern einen Interessensausgleich darstellte. So erlitt keine Seite einen Gesichtsverlust und man konnte weiter in der Gemeinschaft zusammenleben. Nur schwere, hoch eskallierte Konflikte wurden in Gerichtsverfahren behandelt. Grafik mit Ältestenrat

In der jüngeren Geschichte hat sich diese Grenze verschoben. Aufgrund gelockerter, sozialer Bindungen münden eskalierende Konflikte schneller in gerichtlichen Auseinandersetzungen oder in Gewalt. Damit werden sie aber in ihren Ursachen nicht gelöst und belasten die Beteiligten und / oder die Gemeinschaft weiter.Deshalb hat ein Umdenken stattgefunden, man hat die Mediation als Konfliktlösungsverfahren wiederentdeckt. Ob bei Konflikten in der Schule, in der Hausgemeinschaft oder am Arbeitsplatz, bei Streitigkeiten in Familien oder zwischen Unternehmen – bevor man vor Gericht zieht, wird zuerst eine Mediation versucht. In Deutschland wurde die Stellung der Mediation maßgeblich gestärkt durch die Verabschiedung des Mediationsgesetzes am 21.07.2012. Damit ist die Mediation als Verfahren offiziell anerkannt und etabliert.

Abgrenzung zu anderen Verfahren

Im Gegensatz zur Schlichtung gibt der Mediator keine Lösung vor, sondern öffnet durch den Einsatz verschiedener Moderationstechniken den Konfliktparteien die Augen für die jeweils andere Perspektive. Er bewertet keine Positionen und arbeitet auch keine Lösungsvorschläge aus, wie dies in Schlichtungsverfahren der Fall ist. Am Ende der Schlichtung steht eine sogenannte Streitbeilegungsvereinbarung, die der Schlichter ausgearbeitet hat und die von den beiden Streitparteien unterzeichnet wird. Durch notarielle Beurkundung kann diese Vereinbarung vollstreckbar gemacht werden.
Bei einem Schiedsverfahren hingegen geht es um eine außergerichtliche Einigung in einem Rechtsstreit, die von einem Schiedsrichter im Rahmen einer gültigen Rechtsordnung getroffen wird. Dabei kann durchaus festgestellt werden, welche der Konfliktparteien "Recht" hat. In aller Regel liegt der Schwerpunkt aber mehr in dem Finden oder Aushandelns eines Vergleiche, dh. beiden Seiten wird ein Kompromiss abgerungen. Schiedssprüche sind endgültig und rechtlich bindend.
Bei der Mediation hingegen geht es üblicherweise nicht um einen Rechtsstreit und auf keinen Fall um die Fragestellung, wer hat Recht und wer Unrecht. da steht die Klärung des Konfliktes für beide Parteien im Vordergrund, angeleitet und moderiert durch einen entsprechend ausgebildeten Moderator. Am Ende des Mediationsprozesses steht die Mediationsvereinbarung, die von beiden Parteien unterzeichnet wird. Juristisch betrachtet wird damit zwischen den Konfliktparteien ein Vertrag geschlossen. Durch notarielle Beurkundung kann die Vereinbarung auch vollstreckbar gemacht werden.

Phasen der Mediation

Bei der Mediation handelt es sich um ein strukturiertes Verfahren zur Klärung und - wenn möglich - einvernehmlichen Lösung von Konflikten. Diese Struktur ist wichtig, um im Rahmen der Klärungsgespräche den Blick auf die wesentlichen Dinge zu erhalten und das Ziel der Konfliktlösung nicht aus den Augen zu verlieren. Ein Mediationsverfahren ist immer ergebnisoffen, dh. es wird nicht auf eine bestimmte, von Anfang an im Raume stehende Lösung hingearbeitet, sondern erst nach detaillierter Klärung des eigentlichen Konfliktherdes wird von den Streitparteien selber eine Lösung ausgearbeitet. Man unterteilt den Mediationsprozess in verschiedene Phasen, die nacheinander durchlaufen werden. Mediation-Grafik

Gleichwohl ist das Verfahren aber so flexibel, dass auch aus späteren Phasen bei Bedarf zurückgesprungen werden kann, etwa weil ein wichtiger Aspekt übersehen wurde. Dann ist es nur wichtig, dass dies auch allen durch den Mediator bewusst gemacht wird. Der Mediationsprozess lebt von seiner Transparenz, dh. es muss zu jedem Zeitpunkt für alle Beteiligten erkennbar sein, in welcher Stufe bzw. Phase des Klärungsprozesses man sich befindet.

Die Phasen im Einzelnen

Eröffnungsphase
In dieser Phase wird der Konflikt und die Konfliktbeteiligten dem Mediator vorgestellt, so dass dieser eine Einschätzung treffen kann, ob der Konflikt sich noch in einem Stadium befindet, wo eine Mediation helfen kann. und natürlich, ganz wichtig, die Bereitschaft der Konfliktparteien zur Teilnahme an dem Verfahren abgefragt. Ferner werden sodann weitere Rahmenbedingungen geklärt, Kosten und Termine abgestimmt, Örtlichkeiten festgelegt etc..
In dieser Phase erläutert der Mediator den Parteien ausführlich das Verfahren, erläutert die Freiwilligkeit der Teilnahme und die Vertraulichkeit der Inhalte. Es werden Grundregeln aufgestellt, deren Einhaltung einen respektvollen Umgang miteinander sicherstellen. Es gehört zu den wesentlichen Aufgaben des Mediators, im Verlauf des Mediationsverfahrens auf die strikte Einhaltung dieser gemeinsam vereinbarten Regeln zu achten.Flipchart mit Gesprächsregeln

Themensammlung
In einem ersten Treffen werden von den Konfliktparteien aus jeweils eigener Sicht die Themen in Form von Oberbegriffen zusammen getragen, die den Konflikt ausmachen. Hier ist es hilfreich, auf Vollständigkeit zu achten, Details kommen hier nicht zur Sprache.

Erhellung
Nach Abschluss der Themensammlung werden diese einzelnen Themen der Reihe nach im Detail erklärt. Jede Seite erhält Gelegenheit, ein von ihr eingebrachtes Thema ausführlich und in Gänze zu erläutern. Anschließend ist die andere Konfliktpartei am Zug und kann ihrerseits dazu Stellung nehmen. Erst wenn jeder das Gefühl hat, es sei alles hinreichend „erhellt“, wird das Thema abgeschlossen und das nächste kommt an die Reihe. So werden alle Themen der Reihe nach geklärt. Sollte sich dabei ergeben, dass ein wichtiges Thema unberücksichtigt wurde, so wird es der Themenliste hinzugefügt und ebenfalls bearbeitet. Die Reihenfolge der Bearbeitung wird von den Konfliktparteien einvernehmlich festgelegt, erfahrungsgemäß kommen die Themen als erstes an die Reihe, bei denen es am meisten „drückt“.

Lösungssuche
In dieser Phase ist oft das Eis zwischen den Konfliktbeteiligten längst gebrochen, man hat Missverständnisse aufgeklärt und Ärgernisse offen angesprochen. Da dies vielleicht sehr emotional, aber dennoch in einem respektvollen Umgangston erfolgt ist, hat man sich schon längst aneinander angenähert. Nun werden gemeinsame Schritte und Formen des Umgangs überlegt, die ein künftiges Wiederaufflackern des Konfliktes vermeiden. Diese werden dann stichpunktartig zusammengetragen.

Vereinbarung
Die Stichpunkte werden nun kurz, aber umfassend und klar verständlich ausformuliert. Aus diesen Formulierungen entsteht so eine vertragsähnliche Vereinbarung, die von den Konfliktparteien auf Vollständigkeit und Richtigkeit überprüft wird. Der Mediator stellt sicher, dass die Vereinbarung auch nachprüfbare und realistisch fassbare Inhalte hat und nicht aus schwammigen, unkonkreten Formulierungen besteht. Sind alle Lösungspunkte verarbeitet, wird die Vereinbarung mit Datum versehen und von den Konfliktbeteiligten gemeinsam unterschrieben.
 

Damit ist der Mediationsprozess erst einmal abgeschlossen. In der Regel vereinbaren die Parteien mit dem Mediator einen Folgetermin nach einem längeren Zeitraum, zu dem man sich noch einmal gemeinsam zusammenfindet und die Umsetzung der Vereinbarung prüft. Hat es funktioniert, hat man eine gemeinsame Basis für das Miteinander gefunden, oder sind noch Punkte offen und die Vereinbarung muss nachgebessert werden? Wenn letzteres der Fall ist, wird die Vereinbarung um einen gemeinsam festgelegten Passus ergänzt und erneut unterzeichnet.
 

Kosten einer Mediation

Über die Kosten eines Mediationsverfahrens eine generelle, verbindliche Aussage zu treffen, ist naturgemäß nicht möglich. Zu unterschiedlich sind Konflikte und die in sie verwickelten Persönlichkeiten, als dass man eine Art Preisliste angeben könnte. Sind beide Parteien intensiv um eine Lösung des Konfliktes bemüht, befindet sich dieser noch auf einer niedrigen Eskalationsstufe, ist die Lösungssuche einfach und gelingt es mir als Mediator, innerhalb von zwei Sitzungen eine Vereinbarung herbeizuführen, können 1.500 bis 2.000 € ausreichen.

Handelt es sich um einen interkulturellen Konflikt, der gut vorbereitet werden muss, in dem es intensiver Arbeit bedarf, in den Konfliktparteien überhaupt ein gemeinsames Verständnis über den Konflikt und seine Ursachen zu entwickeln, sind gegebenenfalls Dolmetscher nötig und fallen Reisekosten an, so kann sich ein Budget von 5.000 € als sehr knapp bemessen erweisen. Üblicherweise wird aber im Rahmen des Klärungsgesprächs schon ermittelt, wie komplex die Konfliktsituation ist, ob eventuelle externe Mitwirkung nötig ist und zusätzliche Reisespesen oder Raumkosten anfallen werden. Dann kann ich auch eine ungefähre, aber dennoch unverbindliche Abschätzung abgeben.
Der guten Ordnung halber sei aber an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine Mediation auch scheitern kann, etwa weil es auf einer oder auf beiden Seiten plötzlich eine Blockade gibt, die auch in Einzelgesprächen nicht gelöst werden kann. Dann muss man die Mediation abbrechen. Oder es stellt sich heraus, dass es eine dritte Partei gibt, die aus dem Verborgenenen heraus den Konflikt schürt. und die auch mit an den Tisch muss, um die Situation aufzulösen. Damit kann sich eine neue Konstellation ergeben, die auch eventuell zusätzliche Kosten mit sich bringt.
Was aber für das Verfahren gilt, gilt natürlich auch für die Kostenseite: Transparenz ist oberstes Gebot, hier dürfen Sie auf eine seriöse Durchführung vertrauen.